B7. Rollen und Verantwortlichkeiten für KI im Unternehmen

Rollen und Verantwortlichkeiten für KI im Unternehmen: RACI-Matrix, Rollenprofile und Entscheidungsrechte.

KI wirkt nur nachhaltig, wenn klar ist, wer wofür zuständig ist, über den gesamten Lebenszyklus von Strategie und Ideensammlung über Entwicklung und Betrieb bis zu Optimierung und Stilllegung.

Was dieses Kapitel liefert: Rollen, Entscheidungsrechte und die zugehörigen Vorlagen (RACI-Matrix, Rollenprofile) gebündelt an einer Stelle. Kapitel B6 legt die Organisationsform fest; hier werden die Rollen darin konkret.

Grundsätze für die Rollenverteilung

  • Eine Rolle hat ein klares Ziel, messbare Ergebnisse und definierte Entscheidungen.
  • Aufgaben sind entlang des Lebenszyklus verteilt: Intake, Entwurf, Entwicklung, Prüfung, Freigabe, Betrieb, Überwachung, Verbesserung, Stilllegung.
  • Verantwortlichkeiten sind getrennt: Wer entwickelt, prüft nicht sich selbst; wer freigibt, ist unabhängig.
  • Zentrale Leitplanken, dezentrale Umsetzung: Zentrale Teams sichern Standards und Bausteine, Fachbereiche liefern Produkte und Wirkung.
  • Jede Rolle hat Vertretung, Übergaben und dokumentierte Arbeitsweise.

Rollen entlang des Lebenszyklus

Die folgende Rollenlandkarte zeigt alle Rollen des Kapitels im Überblick, gruppiert in die vier Abschnitte, die danach im Detail folgen. Wichtig: Die Landkarte beschreibt Funktionen, nicht Stellen; wie Rollen je nach Unternehmensgröße gebündelt werden, steht im Abschnitt Skalierung am Kapitelende.

Rollenlandkarte mit vier Rollengruppen: strategische und frühe Phase, Daten und Governance, Entwicklung und Plattform, Betrieb und Weiterentwicklung

Jede Rolle wird mit fünf Feldern beschrieben: was die Rolle ist, warum es sie braucht, ihre Kernaufgaben, die Abgrenzung zu benachbarten Rollen und die typische Besetzung. Wer eine Rolle konkret einführt, überführt diese Angaben in den Rollensteckbrief weiter unten. Fachbegriffe werden bei ihrer ersten Nennung in Klammern erklärt.

Strategische und frühe Phase

Vorstandspat:in für KI

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEin Mitglied von Vorstand oder Geschäftsführung, das die Schirmherrschaft für das gesamte KI-Programm übernimmt. Es ist ein Zusatzmandat obendrauf zur bestehenden Vorstandsrolle, keine eigene Stelle und keine operative Mitarbeit: Die Person sichert Rückhalt auf oberster Ebene und entscheidet im Konfliktfall, arbeitet aber nicht selbst an einzelnen Vorhaben mit.
Warum es sie brauchtKI-Vorhaben konkurrieren bereichsübergreifend um Budget und Personal. Ohne Fürsprecher auf oberster Ebene verlieren sie diesen Wettbewerb gegen das Tagesgeschäft, das kurzfristig immer dringlicher wirkt.
KernaufgabenVertritt das KI-Portfolio (die Gesamtheit aller KI-Vorhaben) im Vorstand, gibt Priorität und Budget frei, entscheidet Zielkonflikte zwischen Bereichen und legt die Portfoliogrenzen fest, also auch, welche Anwendungsfelder das Unternehmen bewusst nicht verfolgt.
AbgrenzungEntwickelt nicht die KI-Strategie (das ist Sache des Chief AI Officer) und steuert nicht das laufende Programm (AI-Programmleitung). Sie entscheidet dort, wo diese Ebenen nicht mehr weiterkommen, etwa bei Budget- oder Prioritätskonflikten.
Typische BesetzungCIO, CDO oder CFO im Vorstand; in kleineren Unternehmen die Geschäftsführung selbst.

Chief AI Officer / CIO mit KI-Mandat

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie Führungsrolle, die die KI-Strategie fachlich verantwortet, vergleichbar mit einer Bereichsleitung, die für ihr Thema den Kurs vorgibt. In vielen Unternehmen kein eigener Titel, sondern ein Mandat (ein ausdrücklicher Auftrag), das der CIO oder CDO zusätzlich übernimmt.
Warum es sie brauchtJemand muss die Unternehmensziele in eine konsistente KI-Strategie übersetzen und über Bereichsgrenzen hinweg durchsetzen. Fehlt diese Klammer, entstehen Insellösungen, die je Bereich in unterschiedliche Richtungen laufen.
KernaufgabenÜbersetzt Unternehmensziele in die KI-Strategie, verantwortet die Prinzipien, die Zielarchitektur (das technische Zielbild), die Roadmap und das Steuerungsmodell und berichtet an die Vorstandspat:in.
AbgrenzungSetzt die inhaltliche Richtung, steuert aber nicht das Tagesgeschäft des Programms (AI-Programmleitung) und trifft keine Budgetentscheidungen auf Vorstandsebene (Vorstandspat:in).
Typische BesetzungCIO oder CDO mit KI-Mandat; in großen Unternehmen eine eigene Position als Chief AI Officer.

AI-Programmleitung

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie operative Steuerungsrolle für das KI-Programm: Sie hält im Alltag alle laufenden KI-Vorhaben zusammen, vergleichbar mit der Programmleitung in klassischen Transformationsprogrammen. Während der Chief AI Officer das Was und Wohin festlegt, sorgt diese Rolle für das geordnete Wie und Wann.
Warum es sie brauchtEinzelne KI-Vorhaben laufen sonst unkoordiniert nebeneinander, und niemand hat den Überblick über Status, gegenseitige Abhängigkeiten und Risiken.
KernaufgabenNimmt neue Ideen über einen geordneten Eingangsprozess auf (Intake), organisiert deren Bewertung und Priorisierung, verfolgt Status und Risiken bereichsübergreifend und bereitet die Entscheidungen des Portfolio Boards vor.
AbgrenzungBereitet Portfolioentscheidungen vor, trifft sie aber nicht (das tut das Portfolio Board). Verantwortet keine einzelnen Produkte (Product Owner KI).
Typische BesetzungErfahrene Programm- oder Projektleitung, oft im KI-Kompetenzzentrum angesiedelt.

Portfolio Board für KI

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEin Entscheidungsgremium, also eine feste Runde benannter Personen aus Fachbereichen, IT, Daten, Risiko und Finanzen, die gemeinsam über die KI-Vorhaben entscheidet. Keine Einzelrolle, sondern ein Besetzungskreis, der regelmäßig zusammenkommt.
Warum es sie brauchtEntscheidungen über Aufnahme und Reihenfolge von Vorhaben betreffen mehrere Bereiche zugleich. Ein gemeinsames Gremium verhindert, dass sich der lauteste oder mächtigste Bereich durchsetzt statt des sinnvollsten Vorhabens.
KernaufgabenEntscheidet über Aufnahme, Priorisierung und Beendigung von Vorhaben, gleicht das Portfolio mit Strategie und Budget ab und tagt in festem Rhythmus (siehe Portfolio-Review in Kapitel D4).
AbgrenzungEntscheidet über das Portfolio als Ganzes, nicht über die Inhalte einzelner Produkte (Product Owner KI) und nicht über die Strategie selbst (Chief AI Officer).
Typische BesetzungBenannte Vertreter der beteiligten Bereiche; den Vorsitz hat oft der Chief AI Officer oder die AI-Programmleitung.

Enterprise-Architekturleitung

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie bestehende Architekturfunktion der IT, erweitert um KI-Fragen. Enterprise-Architektur ist der Gesamtbauplan der IT-Landschaft: Sie legt fest, wie Systeme, Daten und Schnittstellen zusammenpassen sollen, damit nicht jedes Projekt eine eigene, unverträgliche Lösung baut.
Warum es sie brauchtKI-Lösungen, die an diesem Zielbild vorbei gebaut werden, erzeugen Integrations- und Sicherheitsprobleme und lassen sich später kaum skalieren.
KernaufgabenPrüft neue Vorhaben auf Passung zu Zielarchitektur, Datenplattform, Integration und Sicherheit, gibt technische Schnittstellen frei und pflegt Referenzarchitekturen (bewährte Bauvorlagen, siehe Kapitel B5).
AbgrenzungSetzt die technischen Leitplanken, baut aber nicht selbst (das tun Entwicklungsteams und Plattform-Engineering). Sicherheitsfreigaben liegen bei der Sicherheitsverantwortung für KI.
Typische BesetzungLeitung Enterprise-Architektur bzw. Lead Architect mit KI-Erfahrung.

FinOps-Leitung für KI

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie Rolle für die finanzielle Steuerung der KI-Landschaft. FinOps (kurz für Financial Operations) bezeichnet die Praxis, laufende Cloud- und KI-Kosten fortlaufend sichtbar zu machen und gemeinsam mit den Fachbereichen zu steuern, statt sie erst nachträglich in der Abrechnung zu entdecken. Hier übertragen auf KI-typische Kosten wie Token-Kosten (die Abrechnung je verarbeiteter Texteinheit) und Trainingskosten.
Warum es sie brauchtKI-Kosten sind nutzungsgetrieben und schwer vorhersagbar: Jede Anfrage kostet, und die Summe wächst mit der Nutzung. Ohne laufende Kostentransparenz entgleisen Budgets unbemerkt (siehe Kapitel D2).
KernaufgabenSchafft Kostentransparenz je Anwendungsfall, definiert Einheitenkennzahlen (etwa Kosten pro Anfrage), plant Budgets und Prognosen und etabliert Showback oder Chargeback: Showback zeigt jedem Bereich seine verursachten Kosten, Chargeback belastet sie ihm tatsächlich weiter.
AbgrenzungSteuert die Kosten, entscheidet aber nicht über die Priorisierung des Portfolios (Portfolio Board) und nicht über die Service-Level einzelner Anwendungen (Service Owner KI).
Typische BesetzungController:in oder Cloud-FinOps-Verantwortliche mit KI-Bezug; in kleineren Unternehmen eine Teilaufgabe des IT-Controllings.

Prozess- und Change-Management

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine Rolle oder ein Team für die organisatorische Seite der KI-Einführung: veränderte Abläufe, veränderte Rollen und die begleitende Kommunikation. Change-Management meint das strukturierte Begleiten von Veränderungen, damit die Betroffenen mitgehen statt zu blockieren.
Warum es sie brauchtKI-Vorhaben tragen nur, wenn neben der Technik auch Akzeptanz und Prozessänderungen geklärt sind (siehe Kapitel B11).
KernaufgabenAnalysiert die Auswirkungen auf Abläufe und Rollen, plant Kommunikations- und Schulungsmaßnahmen, begleitet die Einführung in den Fachbereichen und misst die Akzeptanz.
AbgrenzungVerantwortet die Veränderung der Organisation. Die fachliche Vermittlung von KI-Kompetenzen liegt beim Trainings- und Enablement-Team, das einzelne Produkt beim Product Owner KI.
Typische BesetzungChange-Management aus HR oder Organisationsentwicklung, eng verzahnt mit dem KI-Kompetenzzentrum.

Daten und Governance

Data Owner je Domäne

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine fachliche Führungskraft, die die Eigentümerverantwortung für die Datenbestände einer Domäne trägt (einer Domäne, also eines fachlichen Bereichs wie Kundendaten oder Produktionsdaten). Eine Fachrolle, keine IT-Rolle: Es geht um die inhaltliche Hoheit über die Daten, nicht um deren technischen Betrieb.
Warum es sie brauchtOhne benannten Eigentümer bleibt bei Datenfragen unklar, wer Zugriffe erlauben und Qualität einfordern darf. Datenanfragen stauen sich und Projekte verzögern sich, weil niemand entscheiden darf.
KernaufgabenEntscheidet über Zugriffe und Freigaben, legt Qualitätsziele fest, definiert die Zweckbindung (wofür die Daten genutzt werden dürfen und wofür nicht) und vertritt die Domäne gegenüber Compliance und Datenschutz.
AbgrenzungEntscheidet, setzt aber nicht selbst um (das tut der Data Steward). Prüft keine Rechtsgrundlagen (Datenschutzbeauftragte:r).
Typische BesetzungEine Führungskraft des Fachbereichs, dem die Daten fachlich gehören. Nicht an die IT delegierbar, weil die fachliche Bewertung dort nicht liegt.

Data Steward je Domäne

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie operative Datenrolle, die die Vorgaben des Data Owners im Alltag umsetzt. Steward heißt Verwalter: Wo der Data Owner entscheidet, führt der Steward aus und hält die Daten in Ordnung.
Warum es sie brauchtQualitätsregeln und Datenkataloge pflegen sich nicht von selbst. Ohne Steward veralten die Metadaten (die beschreibenden Angaben zu den Daten, etwa Herkunft und Bedeutung) und die Datenqualität sinkt schleichend.
KernaufgabenSetzt die Qualitätsregeln um, pflegt Datenkatalog, Metadaten und Klassifizierung (die Einstufung nach Sensitivität), bearbeitet Zugriffs- und Qualitätsanfragen und meldet Probleme an den Data Owner.
AbgrenzungSetzt um, entscheidet aber nicht über Freigaben und Zweckbindung (das bleibt beim Data Owner).
Typische BesetzungEine erfahrene Fachkraft der Domäne mit Datenaffinität, oft in Teilzeit neben der eigentlichen Linienaufgabe.

Datenschutzbeauftragte:r

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine gesetzlich vorgeschriebene Rolle nach DSGVO, hier um KI-spezifische Prüfungen erweitert. Sie wacht darüber, dass personenbezogene Daten rechtmäßig verarbeitet werden.
Warum es sie brauchtKI-Systeme verarbeiten personenbezogene Daten oft in neuen Zusammenhängen. Ohne frühe Einbindung drohen Bußgelder und teure Nacharbeiten kurz vor der Produktivsetzung.
KernaufgabenPrüft Rechtsgrundlagen, Einwilligungen, Speicherfristen und Betroffenenrechte, begleitet Datenschutz-Folgenabschätzungen (die vorgeschriebene Risikoprüfung bei heiklen Verarbeitungen, kurz DSFA) und berät Product Owner und Data Owner früh im Vorhaben.
AbgrenzungPrüft den Datenschutz, nicht die gesamte Regulatorik (Compliance und Recht) und nicht ethische Fragen jenseits des Rechts (Responsible AI).
Typische BesetzungDer oder die bestellte Datenschutzbeauftragte des Unternehmens, intern oder extern.

Responsible AI Officer / Ethikgremium

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine Rolle oder ein Gremium für die verantwortungsvolle Gestaltung von KI jenseits der gesetzlichen Mindestanforderungen. Responsible AI (verantwortungsvolle KI) fragt nicht nur, was erlaubt ist, sondern was vertretbar ist.
Warum es sie brauchtDas Recht definiert nur die Untergrenze. Fragen der Fairness, Transparenz und menschlichen Aufsicht entscheiden über das Vertrauen von Kunden und Belegschaft (siehe Kapitel B10).
KernaufgabenErstellt Leitlinien zu Fairness, Erklärbarkeit und Transparenz, verlangt vor Freigaben eine Verzerrungsbewertung (die Prüfung, ob ein Modell bestimmte Gruppen systematisch benachteiligt), definiert Einsatzgrenzen und eskaliert kritische Fälle.
AbgrenzungBewertet die ethische Vertretbarkeit, nicht die rechtliche Zulässigkeit (Compliance, Datenschutz) und nicht die statistischen Modellrisiken (Model Risk Management).
Typische BesetzungEine einzelne benannte Rolle in kleineren Organisationen, ein interdisziplinäres Gremium in größeren.

Compliance und Recht

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie bestehende Compliance- und Rechtsfunktion, erweitert um KI-Regulatorik. Compliance meint die Einhaltung von Gesetzen und Vorgaben und den prüffesten Nachweis darüber.
Warum es sie brauchtEU AI Act, DSGVO und Branchenvorgaben verlangen Nachweise und Freigaben. Verstöße gefährden Zulassung, Budget und Reputation (siehe Kapitel B8).
KernaufgabenBewertet Vorhaben regulatorisch (unter anderem die Risikoklasse nach EU AI Act), verantwortet die Verträge mit Anbietern, führt die Audit-Nachweise (die prüffesten Belege für Kontrollen) und klärt Haftungsfragen.
AbgrenzungPrüft die Rechtskonformität insgesamt. Der Datenschutz im engeren Sinn liegt bei den Datenschutzbeauftragten, technische Schutzmaßnahmen bei der Sicherheitsverantwortung für KI.
Typische BesetzungDie Compliance- und Rechtsabteilung, bei Bedarf ergänzt um externe Kanzleien mit KI-Schwerpunkt.

Entwicklung und Plattform

Product Owner KI je Anwendungsfall

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie fachliche Produktverantwortung für einen einzelnen KI-Anwendungsfall. Der Begriff stammt aus der agilen Entwicklung: Der Product Owner ist die eine Person, die entscheidet, was gebaut wird und in welcher Reihenfolge, und die den Nutzen gegenüber dem Geschäft verantwortet.
Warum es sie brauchtOhne fachlichen Eigentümer optimiert das Entwicklungsteam am tatsächlichen Bedarf vorbei, und niemand misst, ob die Lösung ihr Geschäftsziel erreicht.
KernaufgabenFormuliert Vision und Ziele, übersetzt Geschäftsziele in Anforderungen, priorisiert das Backlog (die geordnete Liste der offenen Aufgaben), nimmt Ergebnisse ab und misst die Wirkung gegen die Baseline (den vorher gemessenen Ausgangswert ohne KI).
AbgrenzungVerantwortet das Produkt bis zur Produktivsetzung, danach übernimmt der Service Owner KI den Betrieb. Entscheidet nicht über Datenfreigaben (Data Owner).
Typische BesetzungEine Person aus dem Fachbereich, der den Nutzen erhält. Keine IT-Rolle.

Business Analyst:in

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine Analyserolle an der Schnittstelle zwischen Fachbereich und Entwicklungsteam. Sie übersetzt zwischen beiden Welten: fachliche Abläufe in präzise Anforderungen und technische Möglichkeiten zurück in den Fachkontext.
Warum es sie brauchtKI-Lösungen brauchen genau beschriebene Prozesse und messbare Ausgangswerte. Ohne eine Baseline (den gemessenen Zustand vor der Einführung) lässt sich der Nutzen später nicht belegen (siehe Kapitel D1).
KernaufgabenAnalysiert und dokumentiert die Ist-Prozesse, definiert Kennzahlen und erhebt Baselines, unterstützt den Product Owner bei Anforderungen und der Wirtschaftlichkeitsrechnung.
AbgrenzungAnalysiert Prozesse und Kennzahlen, entwickelt aber keine Modelle (Data Scientist) und priorisiert nicht das Backlog (Product Owner KI).
Typische BesetzungBusiness Analyst:in aus dem Fachbereich oder einem IT-nahen Analyseteam.

Data Engineer

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine Ingenieurrolle für die Datenbereitstellung. Sie baut die Strecke von den Quellsystemen bis zu den aufbereiteten Daten, mit denen Modelle trainiert und betrieben werden, vergleichbar mit dem Bau und Betrieb der Leitungen, bevor jemand den Hahn aufdreht.
Warum es sie brauchtErfahrungsgemäß steckt ein großer Teil des Aufwands in KI-Projekten in Datenbeschaffung und -aufbereitung. Schlechte Datenstrecken (Pipelines) sind die häufigste technische Ursache für Verzögerungen.
KernaufgabenBeschafft und modelliert Daten, baut und betreibt Pipelines (die automatisierten Verarbeitungsstrecken), sichert Datenqualität und die Nachvollziehbarkeit der Herkunft (Lineage, die lückenlose Datenspur) und stellt Daten für Training und Inferenz (den produktiven Modellbetrieb) bereit.
AbgrenzungLiefert die Daten, entwickelt aber keine Modelle (Data Scientist) und baut keine Modell-Pipelines (Machine Learning Engineer).
Typische BesetzungSoftware-Engineering mit Schwerpunkt Daten, meist im Plattform- oder Datenteam.

Machine Learning Engineer

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine Ingenieurrolle, die Modelle produktionsreif macht. Sie verbindet Data Science mit Software-Engineering und Betrieb, kurz MLOps bzw. LLMOps: die Praxis, Modelle zuverlässig, wiederholbar und überwacht in Betrieb zu bringen, so wie es DevOps für klassische Software tut.
Warum es sie brauchtEin Modell im Notebook (der Experimentierumgebung eines Data Scientist) ist noch kein Produkt. Ohne reproduzierbare Pipelines, Tests und Versionierung bleibt jede Lösung im Pilotstadium stecken (siehe Kapitel C3).
KernaufgabenBaut die Trainings- und Inferenz-Pipelines, sorgt für Reproduzierbarkeit, Versionierung und automatisierte Tests und stellt Modelle bereit und aktualisiert sie.
AbgrenzungIndustrialisiert die Modelle, entwirft sie aber nicht (Data Scientist) und betreibt nicht die darunterliegende Plattform (Plattform-Engineering).
Typische BesetzungSoftware-Engineering mit ML-Erfahrung; wird oft mit dem Data Engineering in einem Team gebündelt.

Data Scientist

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie Methodenrolle für die Modellentwicklung, von der Auswahl des Verfahrens bis zur Bewertung der Ergebnisse. Sie beantwortet, mit welchem Ansatz sich ein Problem am besten lösen lässt und wie gut die Lösung wirklich ist.
Warum es sie brauchtDie Wahl von Verfahren, Merkmalen und Bewertungsmaßstäben entscheidet über Qualität und Belastbarkeit der Lösung. Das erfordert statistische und methodische Expertise.
KernaufgabenEntwickelt und vergleicht Modelle, wählt das Verfahren, bewertet die Ergebnisse gegen Baselines, dokumentiert in Modellkarten (den standardisierten Steckbriefen eines Modells) und unterstützt die Interpretation im Fachkontext.
AbgrenzungEntwickelt die Modelle, verantwortet aber weder deren produktiven Betrieb (Machine Learning Engineer, Service Owner KI) noch die Datenbereitstellung (Data Engineer).
Typische BesetzungData Scientist mit Statistik- oder ML-Hintergrund; bei GenAI-Lösungen zunehmend mit Prompt- und Evaluationsexpertise.

Plattform-Engineering

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDas Team, das die gemeinsame Daten- und KI-Plattform bereitstellt und betreibt, auf der alle Anwendungsfälle aufsetzen. Es liefert die geteilte Grundausstattung, damit nicht jedes Projekt sie neu beschafft.
Warum es sie brauchtOhne gemeinsame Plattform baut jedes Projekt seine eigene Infrastruktur. Kosten, Sicherheit und Betrieb werden dann unbeherrschbar.
KernaufgabenStellt Umgebungen und Rechenkapazität bereit, betreibt Observability (die laufende Beobachtung des Systemzustands über Kennzahlen, Protokolle und Ablaufverfolgung) und Automatisierung und liefert Wiederverwendungsbausteine wie Modellzugänge und Vektordatenbanken (spezielle Speicher, die Texte nach Bedeutung durchsuchbar machen und die RAG-Suche tragen); unterstützt Teams beim Onboarding.
AbgrenzungBetreibt die Plattform, nicht die einzelnen Anwendungen darauf (Service Owner KI). Entwickelt keine Modelle.
Typische BesetzungDas Plattform- oder Infrastrukturteam der IT, erweitert um KI-Komponenten.

Sicherheitsverantwortung für KI

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine Sicherheitsrolle mit Fokus auf KI-spezifische Bedrohungen, meist als Erweiterung der bestehenden Informationssicherheit.
Warum es sie brauchtKI bringt Angriffsflächen mit, die die klassische IT-Sicherheit nicht abdeckt: Prompt Injection (untergeschobene Anweisungen in der Eingabe, die das Modell kapern), Datenabfluss über Modelle und Data Poisoning (das gezielte Vergiften der Trainingsdaten), siehe Kapitel B9.
KernaufgabenErstellt Bedrohungsmodelle für KI-Systeme, definiert Schutzmaßnahmen und Zugriffskontrollen, erteilt Sicherheitsfreigaben und pflegt Prüfpfade und Reaktionspläne.
AbgrenzungVerantwortet die technische Sicherheit. Regulatorische Freigaben liegen bei Compliance und Recht, ethische Einsatzgrenzen bei Responsible AI.
Typische BesetzungDas Security-Team bzw. die CISO-Organisation (Leitung Informationssicherheit) mit KI-Weiterbildung.

Betrieb und Weiterentwicklung

Service Owner KI

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie verantwortliche Rolle für eine produktive KI-Anwendung über ihren gesamten Betriebszeitraum. Sie ist der dauerhafte Eigentümer im Betrieb, dort wo die Projektrolle des Product Owners endet.
Warum es sie brauchtNach der Produktivsetzung endet die Projektlogik. Ohne Service Owner verwaist die Anwendung: Kosten und Qualität geraten außer Kontrolle, weil sich niemand dauerhaft zuständig fühlt.
KernaufgabenVerantwortet Verfügbarkeit, Service-Level (die zugesagten Leistungswerte wie Antwortzeit und Erreichbarkeit), Kosten, Sicherheit und Qualität im Betrieb, beauftragt Weiterentwicklungen und entscheidet über die Stilllegung gemeinsam mit dem Product Owner KI.
AbgrenzungÜbernimmt nach der Produktivsetzung vom Product Owner KI. Die technische Überwachung führt das Site Reliability Engineering aus.
Typische BesetzungIT-Service-Management oder Betriebsorganisation; in kleineren Unternehmen in Personalunion mit dem Product Owner KI.

Site Reliability Engineering

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDie Betriebsrolle für Stabilität und Leistung der produktiven KI-Systeme. Site Reliability Engineering (SRE) ist eine ursprünglich bei Google entstandene Arbeitsweise, den IT-Betrieb wie eine Ingenieurdisziplin zu führen: Zuverlässigkeit (Verfügbarkeit und Antwortzeiten) wird als messbares Ziel festgelegt, und wiederkehrende Betriebsarbeit wird durch Automatisierung ersetzt, statt Störungen dauerhaft von Hand nachzulaufen.
Warum es sie brauchtKI-Systeme fallen anders aus als klassische Software, etwa durch schleichende Qualitätsverschlechterung (Drift, das Abdriften der Modellgüte, wenn sich die Realität verschiebt) oder plötzliche Lastspitzen bei der Inferenz. Das erfordert eine spezialisierte, kontinuierliche Überwachung.
KernaufgabenBaut Überwachung und Alarmierung auf, definiert Wiederanlaufverfahren für den Störungsfall, analysiert Vorfälle systematisch und optimiert Stabilität und Antwortzeiten.
AbgrenzungSichert den technischen Betrieb, verantwortet aber nicht die Service-Level und Kosten gegenüber dem Fachbereich (das tut der Service Owner KI).
Typische BesetzungDas Betriebs- bzw. SRE-Team der IT.

Support-Stufen

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine gestaffelte Unterstützungsorganisation für Anwenderfragen und technische Vorfälle, aufgebaut in mehreren Stufen (englisch Level) mit steigender Fachtiefe.
Warum es sie brauchtOhne klaren Support-Weg landen alle Fragen direkt beim Entwicklungsteam und blockieren dessen Weiterentwicklung.
KernaufgabenDie 1. Stufe beantwortet einfache Anwenderfragen, die 2. Stufe bearbeitet technische Vorfälle, die 3. Stufe führt die Ursachenanalyse gemeinsam mit der Entwicklung durch.
AbgrenzungBearbeitet Vorfälle und Fragen. Systematische Qualitätsprobleme eskaliert der Support an den Service Owner KI und das Model Risk Management.
Typische BesetzungDie bestehende Support-Organisation, die 1. Stufe mit KI-Grundschulung.

Model Risk Management

FeldBeschreibung
Was die Rolle istEine unabhängige Prüfinstanz für Modellrisiken. In regulierten Branchen (Banken, Versicherer) ist sie etabliert und wird von der Aufsicht erwartet. Unabhängig heißt hier: nicht dem Team unterstellt, das das Modell gebaut hat.
Warum es sie brauchtWer entwickelt, prüft nicht sich selbst. Eine unabhängige Instanz erkennt Schwächen, die dem eigenen Team unter Erfolgsdruck entgehen.
KernaufgabenPrüft Modelle vor der Freigabe und im laufenden Betrieb (Genauigkeit, Drift, Fairness, Einsatzgrenzen), fordert Gegenmaßnahmen und kann die Rücknahme eines Modells aus der Produktion verlangen.
AbgrenzungPrüft die statistisch-fachlichen Modellrisiken. Die rechtliche Prüfung liegt bei Compliance und Recht, die ethische Bewertung bei Responsible AI, die technische Sicherheit bei der Sicherheitsverantwortung für KI.
Typische BesetzungEine unabhängige Risikofunktion; in kleineren Unternehmen mindestens eine fachkundige, nicht am Vorhaben beteiligte Person.

Trainings- und Enablement-Team

FeldBeschreibung
Was die Rolle istDas Team für den KI-Kompetenzaufbau in der gesamten Organisation. Enablement (Befähigung) bedeutet, Mitarbeitende in die Lage zu versetzen, KI-Werkzeuge sicher und sinnvoll zu nutzen.
Warum es sie brauchtAI Literacy (grundlegende KI-Kompetenz) ist Pflicht (Art. 4 EU AI Act) und Voraussetzung für Akzeptanz. Ohne systematische Befähigung bleiben Werkzeuge ungenutzt oder werden falsch genutzt (siehe Kapitel B11).
KernaufgabenEntwickelt und hält Schulungen, pflegt Leitfäden und Selbstlernangebote, baut Communities of Practice (fachliche Austauschgruppen über Bereichsgrenzen hinweg) auf und misst den Lernfortschritt.
AbgrenzungVermittelt die Kompetenzen. Die organisatorische Veränderung selbst steuert das Prozess- und Change-Management.
Typische BesetzungDie Personalentwicklung gemeinsam mit dem KI-Kompetenzzentrum.

Entscheidungsrechte im KI-Lebenszyklus

Entscheidungen fallen dort, wo Verantwortung und Fachwissen liegen: strategische Richtung in Gremien (Portfolio Board, Unternehmensleitung), operative Entscheidungen bei Product, Data und Service Owner. Sicherheits- und Compliance-Freigaben erfolgen stets unabhängig von Entwicklung und Betrieb. Die Tabelle ist exemplarisch und je nach Organisation anzupassen.

RolleTypische EntscheidungsrechteZusammenarbeit
Vorstandspat:in KIPriorität und Budget freigeben, Zielkonflikte klärenChief AI Officer, Portfolio Board
Chief AI Officer / CIOStrategie, Prinzipien, Zielarchitektur, RoadmapEnterprise-Architektur, FinOps, Fachbereiche
Portfolio Board KIAufnahme, Priorisierung, Beendigung von ProjektenProduct Owner, AI-Programmleitung
Product Owner KIAnforderungen, Backlog, ErgebnisfreigabeData Scientist, Data Engineer, Business Analyst:in
Data OwnerDatenzugriffe, Qualitätsziele, ZweckbindungData Steward, Compliance, Datenschutz
Data ScientistWahl der Verfahren, Modellentwurf und -bewertungML Engineer, Product Owner
ML EngineerTrainings- und Inferenzpipelines, DeploymentPlattform-Engineering
Enterprise-ArchitekturTechnische Passung und Schnittstellen freigebenChief AI Officer, Security
Sicherheitsverantwortung KISicherheitsfreigaben, SchutzmaßnahmenCompliance, Plattform-Engineering
Responsible AI / EthikFairness, Transparenz, EinsatzgrenzenProduct Owner, Portfolio Board
Compliance / RechtRegulatorische Freigaben (DSGVO, AI Act)Security, Responsible AI
Service Owner KIBetrieb, Service-Level, Kosten, VerfügbarkeitSRE, FinOps, Product Owner
FinOps-Leitung KIBudgetfreigaben, Kostencontrolling, PrognosenPortfolio Board, Service Owner

Vorlage: RACI je Anwendungsfall

Pro Aufgabe genau ein A (Accountable); R, C und I nach Bedarf. R = Responsible (führt aus), A = Accountable (entscheidet und verantwortet), C = Consulted (wird gefragt), I = Informed (wird informiert).

Die Tabelle ist bewusst ein Ausschnitt: Sie enthält die sechs Rollen, die an praktisch jedem Anwendungsfall beteiligt sind, und die Aufgaben mit dem größten Konfliktpotenzial. Je nach Vorhaben werden weitere Rollen aus der Rollenlandkarte als Spalten ergänzt (etwa Machine Learning Engineer, Responsible AI oder Datenschutzbeauftragte:r) und weitere Aufgaben als Zeilen.

AufgabeProduct OwnerData OwnerData ScientistSecurityComplianceService Owner
DatenfreigabeCACCCI
ModellentwicklungAIRCII
SicherheitsfreigabeCIIACI
Regulatorische FreigabeCCICAI
ProduktivsetzungAICCCR
Betrieb / MonitoringIICCIA

Vorlage: Rollensteckbrief

Der Rollensteckbrief wird einmal je Rolle ausgefüllt und zentral abgelegt. Er verhindert, dass Verantwortung nur mündlich existiert, und macht Vertretungen und Übergaben überhaupt erst möglich: Eine neue Person kann die Rolle anhand des Steckbriefs übernehmen, ohne auf mündliche Überlieferung angewiesen zu sein.

FeldInhalt
RolleBezeichnung
ZielWofür steht die Rolle?
Kernaufgaben3 bis 5 Hauptaufgaben
EntscheidungsrechteWas darf die Rolle allein entscheiden?
SchnittstellenWichtigste Zusammenarbeit
LieferartefakteWelche Artefakte liefert die Rolle verbindlich? Beispiele: Modellkarte vom Data Scientist, Kostenbericht von der FinOps-Leitung, Freigabenachweis von Compliance. Die Artefakte je Rolle greift der folgende Abschnitt auf.
Kennzahlen2 bis 3 Erfolgsindikatoren (Vorschläge im Abschnitt Kennzahlen je Rolle)
VertretungWer vertritt im Abwesenheitsfall?

Arbeitsartefakte, Rhythmen und Gremien

Rollen bleiben Papier, wenn sie nichts Greifbares liefern und sich nie treffen. Dieser Abschnitt legt deshalb fest, welche Ergebnisse die Rollen produzieren (Artefakte, siehe Feld Lieferartefakte im Rollensteckbrief) und in welchem Takt sie zusammenkommen (Rhythmen und Gremien). Jede Rolle liefert verbindliche Artefakte: Rollensteckbrief, RACI je Anwendungsfall, Modell- und Datenkarten, Evaluations- und Freigabenachweise, Sicherheits- und Datenschutzdokumente, Serviceziele und Kostenberichte. Verankert wird das in festen Rhythmen: wöchentliche Statusrunden pro Produkt, zweiwöchentliche Architektur- und Sicherheitsprüfung, monatliches Portfolio-Review, vierteljährliche Überprüfung von Zielarchitektur und Leitlinien, jährliche Wirksamkeitsprüfung der Governance.

Segregation of Duties

Die Grundsätze am Kapitelanfang fordern getrennte Verantwortlichkeiten; dieser Abschnitt macht die Trennung konkret. Segregation of Duties (Aufgabentrennung) bedeutet: Bestimmte Rollen dürfen nie in einer Person oder einem Team zusammenfallen, weil sonst Interessenkonflikte entstehen, etwa wenn ein Team das eigene Modell freigibt, an dem sein Erfolg gemessen wird. Saubere Aufgabentrennung vermeidet diese Konflikte und erfüllt zugleich Compliance-Anforderungen.

  • Entwicklung und Freigabe sind getrennt; eine unabhängige Instanz prüft Qualität und Risiko.
  • Betrieb und Audit sind getrennt; Prüfungen erfolgen neutral.
  • Datenfreigaben steuern Data Owner, nicht die Entwickelnden selbst.
  • Produktivzugriffe sind streng begrenzt, rollenbasiert und vollständig protokolliert.

Kennzahlen je Rolle

Rollen wirken nur, wenn ihr Erfolg messbar ist. Dieser Abschnitt schlägt je Rolle wenige Kennzahlen vor; sie gehören in das Feld Kennzahlen des Rollensteckbriefs und in das Reporting (Kapitel D4). Mehr als zwei bis drei Kennzahlen je Rolle verwässern die Steuerungswirkung.

  • Product Owner: Zielbeitrag, Nutzungsrate, Zufriedenheit, Zeit- und Budgettreue.
  • Data Owner: Datenqualität und -aktualität, Freigabegeschwindigkeit, Regelverstöße.
  • Data Scientist: Modellgüte, Stabilität über Szenarien, Nutzen gegen Baseline.
  • MLOps/Plattform: Bereitstellungszeit, Fehlerhäufigkeit, Wiederanlaufzeit, Ressourceneffizienz.
  • Responsible AI: Fairness-Indikatoren, Erklärbarkeit, Erfüllung von Auflagen.
  • FinOps: Kosten pro Anfrage, Training und Produkt, Prognosegenauigkeit.

Skalierung je Unternehmensgröße

Die Rollenlandkarte beschreibt Funktionen, nicht Stellen: Nicht jede Rolle braucht eine eigene Person. Dieser Abschnitt zeigt, wie dieselben Verantwortlichkeiten je nach Unternehmensgröße besetzt werden, ohne dass die Aufgabentrennung verloren geht.

VerantwortungsbereichBis ~50 Mitarbeitende~50 bis 250Ab ~250
Strategie, Priorisierung, BudgetGeschäftsführung in Personalunion, ein monatlicher SteuerungsterminEin KI-Verantwortlicher plus kleines Portfolio BoardVorstandspat:in, Chief AI Officer, Portfolio Board
Produktverantwortung je AnwendungsfallEine Person aus dem Fachbereich, oft in TeilzeitDedizierte Product OwnerProduct Owner plus Business-Analyse
Daten (Owner, Engineering, Data Science)Eine datenkundige Person, extern ergänztKleines DatenteamGetrennte Rollen
Technik und BetriebBestehende IT plus PartnerML- und Plattformaufgaben als ein TeamDedizierte Plattform- und Betriebsteams
Sicherheit, Compliance, DatenschutzBestehende Rollen, Freigabe bleibt getrennt vom BauenTeilzeit-Rollen mit unabhängiger FreigabeUnabhängige Funktionen inkl. Model Risk Management und Revision
Befähigung und FinOpsIn Personalentwicklung und Controlling integriertBenannte Teilzeit-RollenEigene Rollen

Eine Grenze gilt unabhängig von der Größe: Wer ein Modell baut, gibt es nicht selbst frei. Sicherheits- und Compliance-Freigaben bleiben auch bei starker Bündelung von Entwicklung und Betrieb getrennt (siehe Abschnitt Segregation of Duties).

Kleinere Organisationen: Rollen werden gebündelt (Product Owner übernimmt Business-Analyse; Data Engineer und ML Engineer als ein Team). Governance bleibt schlank: klare Leitplanken, kurze Templates, wenige Pflichtprüfungen mit schneller Rückmeldung. Ein kleiner Satz verbindlicher Standards (Benennung, Versionierung, Modellkarten, Freigabenachweise, einfache Kostenübersicht) genügt. Entscheidend ist konsequente Einhaltung.

Große Organisationen: dedizierte Teams für Plattform, Sicherheit, Responsible AI, FinOps, Datenmanagement, Betrieb. Abgestufte Gremien (Portfolio, Architektur/Sicherheit, Betrieb), Communities of Practice, gemeinsame Plattformen und unabhängige Rollen für Model Risk Management, Compliance, Datenschutz, interne Revision.

Checkliste: praktische Einführung

Die Checkliste führt durch die Einführung der Rollen, von der Landkarte bis zum laufenden Nachsteuern:

  • Rollenlandkarte erstellt (Personen zugeordnet, Lücken benannt)
  • Rollensteckbrief je Rolle ausgefüllt und zentral abgelegt, inklusive Vertretung und Lieferartefakten
  • Entscheidungsrechte je Rolle zugeordnet; Sicherheits- und Compliance-Freigaben unabhängig von Entwicklung und Betrieb
  • RACI je Anwendungsfall gepflegt und in jedem Meilenstein geprüft, mit genau einem A je Aufgabe
  • Aufgabentrennung umgesetzt: Entwicklung getrennt von Freigabe, Betrieb getrennt von Audit, Datenfreigaben beim Data Owner, Produktivzugriffe begrenzt und protokolliert
  • Gremien mit klaren Mandaten und Sitzungstakten eingesetzt
  • Vorlagen verbindlich gemacht (Modellkarte, Datenkarte, Evaluations-, Sicherheits-, Kostenbericht)
  • Rollenbesetzung an die Unternehmensgröße angepasst, ohne die Aufgabentrennung aufzugeben
  • Pilotprodukt von Intake bis Betrieb durchgespielt
  • Rollenbezogene Schulungen und Communities of Practice aufgesetzt
  • Wenige Kennzahlen je Rolle festgelegt und im Reporting verankert
  • Mechanismus zum kontinuierlichen Nachsteuern etabliert